Rückschau bis 2004

Blick in die Ausstellung "Ernst Barlach - Rätselwesen Mensch". Foto Andreas Pauly

Ernst Barlach

Rätselwesen Mensch
Das Ernst Barlach Haus zu Gast

22. Oktober 2023 – 28. Januar 2024

Einführung: Dr. Karsten Müller
Museumsleiter Ernst Barlach Haus Hamburg

Anlass der Ausstellung ist, das Werk und die Wirkung des bekannten Bildhauers im Nachgang zu seinem 150. Geburtstag in den Fokus der Betrachtung zu rücken und gleichzeitig das Ernst Barlach Haus - Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg, vorzustellen.

Im Mittelpunkt der Schau steht Barlachs berühmter „Fries der Lauschenden“ von 1930-1935, der mit Lothar Fischers „Enigma-Variationen“ von 1996/1997 in einen spannungsreichen Dialog tritt. Beide Figurenreihen orientieren sich in der Darstellung an der menschlichen Gestalt. Bereichert wird die Werkschau nicht nur durch thematisch mit dem Fries verwandte Zeichnungen und Plastiken, sondern auch durch ausgewählte Bronzen. Auch sie zeigen die lebenslange Beschäftigung des großen expressionistischen Bildhauers mit dem Menschen, seinen Lebensverhältnissen und den damit verbundenen Gefühlszuständen.

Foto: Andreas Pauly / Museum Lothar Fischer

Foto: Blick in die Ausstellung "Ernst Barlach - Rätselwesen Mensch". Foto Andreas Pauly

Rudolf Wachter

Holz! Werkschau zum 100. Geburtstag

25. Juni – 8. Oktober 2023

Einführung: Dr. Stefanje Weinmayr, Landshut

Rudolf Wachter, 1923 in Bernried geboren und 2011 in München verstorben, hat wesentlich zur Erneuerung der Holzbildhauerei beigetragen. Er begriff das Holz stets als lebendigen Werkstoff, mit dem er in einen Dialog trat. Der Schnitt mit der Kettensäge in den frisch gefällten, zumeist noch feuchten Stamm eines Baums bis in Zentrum, war seit den 1970er Jahren Ausgangspunkt seines skulpturalen Schaffens. Das bearbeitete Holz entwickelt durch diesen Kern- oder Schwundschnitt, quasi ins Herz des Stamms, formgebende Kräfte.

Anlass der retrospektiv angelegten Werkschau ist der 100. Geburtstag des Künstlers, der zeitlebens mit Lothar Fischer eng freundschaftlich verbunden war. Noch heute zählt Rudolf Wachter zu den wichtigsten Holzbildhauern des 20. Jahrhunderts in Deutschland.

Foto: Lukas Pürmayr/Museum Lothar Fischer

Caroline Achaintre

Doppelgänger

12. Februar – 11. Juni 2023

Einführung: Dr. Simone Schimpf, Direktorin Neues Museum,
Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg

Die deutsch-französische Künstlerin Caroline Achaintre (*1969 in Toulouse) arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Neben Aquarellen und glasierten Keramiken entstehen vor allem beeindruckend große Tapisserien. Bei ihrem Schaffen lässt sie sich sowohl von der Hoch- als auch von der Popkultur, vom deutschen Expressionismus, der Volkskunst aber auch vom mitteleuro- päischen Karneval bis hin zu Horror, Heavy Metal und Science-Fiction inspirieren. Das Ergebnis sind äußerst vielschichtige und rätselhafte Werke mit zumeist doppeldeutigen Titeln. So interessiert sie auch philosophisch, psychologisch, motivisch und thematisch der „Doppelgänger“. 
Caroline Achaintre ist in Fürth bei Nürnberg aufgewachsen und lebt heute in London. Seit  2018 ist sie Professorin für Textile Kunst an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle.

Parallel hat das Neue Museum Nürnberg einen Caroline-Achaintre-Raum mit aktuellen Werken eingerichtet, darunter auch die große allansichtige Textilarbeit Roadrunner von 2022.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Hans Hofmann

Chimbote 1950 - Farben für die neue Stadt

23. Oktober 2022 – 29. Januar 2023

Einführung: Dr. Britta E. Buhlmann
ehem. Direktorin Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Als Vertreter des Abstrakten Expressionismus zählt Hans Hofmann, 1880 in Weißenburg in Mittelfranken geboren und 1966 in New York verstorben, zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden erstmals in Deutschland Hofmanns Entwürfe für farbige Wandmalereien, die der in die USA immigrierte Künstler in Zusammenarbeit mit den ebenfalls in Amerika wirkenden Architekten Josep Lluís Sert und Paul Lester Wiener geschaffen hat. Ihr nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelter Stadtentwurf für das peruanische Chimbote wurde nicht realisiert, doch vermitteln Hofmanns weitgehend großformatige, farbintensive Arbeiten einen konzentrierten Eindruck dieses visionären Projektes.

Katalog deutsch/englisch, hrsg. von Britta E. Buhlmann, im DCV Verlag, Berlin 2022, 24 €.

Kooperation: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern und „The Renate, Hans and Maria Hofmann Trust“ New York

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Verena Issel

Lothar-Fischer-Preis 2021

26. Juni – 9. Oktober 2022

Einführung: Dr. Harriet Zilch, Kunsthalle Nürnberg

Verena Issel (*1982) entwirft mit ihren Werken rätselhafte, verspielte oder humorvoll anmutende, raumgreifende Szenarien, deren gesellschaftliche Bezüge große Ernsthaftigkeit entfalten können. 
Für ihre zumeist begehbaren Rauminstallationen verwendet sie in der Regel kurzlebige Materialien wie Schaumstoff, Styropor, Plastik oder Filz. Die Ansammlungen der objekthaften Arbeiten leben von der Vielfalt der Einzelteile, die wirken, als könnten sie immer wieder neu kombiniert werden. Viele Plastiken erscheinen auf den ersten Blick heiter, transportieren aber zumeist eine dezidiert politische Aussage. 
Heute lebt Verena Issel - sie war Artist in Residence in Kobe, Seoul, Wladiwostok, Teheran und Shanghai – in Berlin und Hamburg. In ihren Kunstwerken setzt sie unter anderem Eindrücke der vielen Reisen künstlerisch um.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Günter Haese

Schwerelos - Raumplastiken aus Draht

27. März – 12. Juni 2022

Einführung: Dr. Reinhard Spieler,
Direktor Sprengel Museum Hannover

Günter Haese (1924-2016) entdeckt 1962 nach seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie den Messingdraht als plastisches Material für sich. Mit diesem und Bestandteilen aus zerlegten Uhren, Spiralfedern und Rädchen fertigt er seine Raumplastiken. Schon ein leichter Luftzug bringt die filigranen, organisch anmutenden Drahtgeflechte in Bewegung, die im weitesten Sinne der kinetischen Kunst zuzuordnen sind. Diese schwerelos wirkenden Objekte bilden damals wie heute ein überzeugendes Gegengewicht zu einer blockhaft-statischen Auffassung von Skulptur. Bereits 1964 erhält der Bildhauer eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York; ein Jahr später besucht Henry Moore ihn in seinem Düsseldorfer Atelier. Auch im internationalen Kontext zählt Günter Haese bis heute zu den wichtigsten Bildhauern seiner Generation.

Es erscheint ein Katalog. Kooperation mit dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und dem Ernst Barlach Haus, Hamburg

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Gruppe RADAMA 1959-1962

Erwin Eisch, Gretel Stadler, Max Strack

24. Oktober 2021 – 13. März 2022

Einführung: Dr. Margrit Brehm, Karlsruhe

Ende 1959 lösen sich Erwin Eisch und Gretel Stadler von der Künstlergruppe SPUR und gründen gemeinsam mit Max Strack RADAMA. Doch gleich nach ihrer ersten Ausstellung in der Münchner Galerie Malura, der Gedächtnisausstellung Bolus Krim, für einen niemals wirklich existierenden Künstler, kommt es zum „Skandal“. Es gibt kaum ein Presseorgan, das damals nicht berichtet. Auch die Folgeausstellungen Kunst und Wohnraum oder Sakrale Kunst sind mit das Innovativste, was die deutsche Kunst nach 1945 zu bieten hat. Heute ist die Gruppe jedoch einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. 
Anhand von ca. 40 Kunstwerken, die 2019 als Schenkung des Ehepaars Eisch ins Museum Lothar Fischer gelangten, sowie Werk- und Installationsfotos aus der Zeit, wird das Wirken dieser Gruppe im historischen Kontext der 1960er Jahre in Deutschland neu beleuchtet.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Folgestation: Museum SPUR und Cordonhaus, Cham

Foto: Marcus Rebmann/Museum Lothar Fischer

Du lebst nur keinmal

Uwe Lausen und Heide Stolz
Ein Künstlerpaar der 1960er Jahre

18. Juli – 10. Oktober 2021

Einführung: Selima Niggl,
Co-Kuratorin der Ausstellung

Inszenierung, Provokation, Tabubrüche, Gewalt – die Werke des Paares Uwe Lausen (1941–1970) und Heide Stolz (1939–1985) sind in den 1960er Jahren ohne Entsprechung. Die Fotografien von Stolz und die Leinwände von Lausen erzählen von der Rolle des Individuums im sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext, aber auch von engem künstlerischen Austausch und gegenseitiger Beeinflussung.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart und den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Helmut Sturm

Spielfelder der Wirklichkeit

28. März – 4. Juli 2021

Eröffnung coronabedingt entfallen

Die Retrospektive gibt erstmals einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Werk des Malers Helmut Sturm (1932–2008) und beleuchtet seine verschiedenen Schaffensphasen. Sturms farbmächtige Arbeiten sind bedeutende Zeugnisse einer abstrakt-expressiven Malerei in Deutschland nach 1945, die es versteht, das Figurative in die dynamischen Bildwelten einzubinden. Für den Maler war die Leinwand ein »räumlich bewegtes Spielfeld«, in dem sich Geschlossenheit und Expansion, Konstruktion und spontaner Gestus mit »allerlei Gerümpel aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit« vereinen. Die permanente Befragung seiner Malerei hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Der langjährige Professor an der Akademie der Bildenden Künste München gehörte zu den Gründungsmitgliedern und zentralen Akteuren der Künstlergruppen SPUR, SPURWIR, GEFLECHT und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE.

Die Ausstellung und ein Katalog entstehen in Kooperation mit der Kunsthalle Emden, dem Kunstmuseum Ravensburg und dem Archiv Helmut Sturm.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER präsentiert

Während der pandemiebedingten Museumsschließung von außen zu besichtigen

22. November 2020 – 3. März 2021

Seit rund 20 Jahren prägt das Büro Berschneider + Berschneider die architektonische Entwicklung in der Oberpfalz. Die Ausnahmestellung, die sich Gudrun und Johannes Berschneider in dieser Region erarbeitet haben, fußt auf zwei wesentlichen Prinzipien: einem besonderen Verständnis der lokal verwurzelten Baukultur, das sich mit einer kreativen Interpretation klassisch moderner Formensprache paart. Sowohl das ästhetische wie das Spektrum der Bauaufgaben, das sich aus dieser Verbindung ergibt, ist vielgestaltig. Von sensibel umgebauten Stadeln bis zur buchstäblich schillernden Konzernzentrale, vom Kunst- zum Automuseum, von originellen Privatvillen bis zu preisgekrönten künstlerischen Toilettenhäuschen auf einem Golfplatz reicht der Gestaltungswille des Büros aus Pilsach, in dem Gebäude und Innenarchitektur „aus einem Guss“ entstehen.

Die gerade erschienene Werkmonografie Berschneider + Berschneider , die vom 15. Oktober bis zum 21. November 2020 in Verbindung mit einer Ausstellung in der Architekturgalerie München vorgestellt wurde, versammelt die prominentesten, aber auch einige Liebhaberprojekte von Berschneider + Berschneider. Der Umbau einer Fahrradfabrik zum Museum für historische Maybach-Fahrzeuge, das lachsfarbene Willibald-Gluck-Gymnasium oder der Neubau des Museums Lothar Fischer, zählen zu den wichtigsten Bausteinen eines Stadtumbaus, der dieses Zentrum der Oberpfalz zu einer wichtigen Adresse architektonischer
Reformation gemacht haben – inklusive vieler Schul- und Wohnhausneubauten, die besondere Wertschätzung für die Bedürfnisse ihrer Nutzer zeigen. Die Verwandlung alter Dorfarchitektur in moderne Gastronomiekonzepte wie beim Landgasthof Meier in Hilzhofen oder dem Hotel Almrefugio in Neumarkt zeugen von der respektvollen Überarbeitung von wertvoller Tradition ebenso wie der Umbau eines Kapuzinerklosters zum Kulturzentrum. Aber manchmal sind es auch nur ein paar Stühle am Hang, die einen Aussichtspunkt in ein „Landschaftskino“ verwandeln, die von der sympathischen Handschrift des Büros erzählen, das Schöne zu erspüren, um es zu verbessern. Neben der ausführlichen Darstellung der wichtigsten Projekte von Berschneider + Berschneider beleuchtet diese Monografie auch den entschiedenen Einfluss auf das qualitätvolle Bauen, den das unermüdliche Wirken Johannes Berschneiders
für einen internationalen Architektur-Dialog in der Oberpfalz entwickelt hat. Text: Till Briegleb

Zur Monografie Berschneider + Berschneider
Hrsg. von Berschneider + Berschneider mit Texten von Wolfgang Jean Stock und Till Briegleb, Amberg 2020 (Verlag Büro Wilhelm). 448 Seiten, ISBN: 978-3-948137-22-9, 55 Euro
www.berschneider.com
Verkaufsstellen in Neumarkt: Museum Lothar Fischer, Buchhandlung Müller, Buchhandlung Rupprecht oder im Buchhandel zu bestellen.

Abbildung: Foto: Berschneider + Berschneider, Architekten und Innenarchitekten, Pilsach

Francisco de Goya

Radierungen aus der Sammlung des Morat-Instituts

25. Oktober 2020 – 14. März 2021

Eröffnung coronabedingt entfallen

Mit der für das Museum eher ungewöhnlichen Ausstellung wird der große Meister der europäischen Kunstgeschichte, der spanische Maler, Zeichner und Grafiker Francisco de Goya (1746-1828) gewürdigt. Präsentiert werden Goyas drei umfangreiche Radierfolgen Los Caprichos, 1799 veröffentlicht, Los Desastres de la Guerra (um 1808-1814) und La Tauromaquia von 1815/1816. Die Blätter zeigen den Hofmaler Goya als einen genauen Beobachter und Analytiker, der düster und sarkastisch die sozialen und politischen Missstände seiner Zeit darlegt. Alle Grafiken sind in ersten Auflagen gedruckt und zeugen von herausragender Qualität, was die Werkschau zu einem Ausstellungshöhepunkt im Jahr 2020 macht.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Benjamin Houlihan

Lothar-Fischer-Preis 2019

26. Juli – 4. Oktober 2020

Einführung: Georg Elben,
Direktor Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl

Benjamin Houlihan (*1975) verknüpft in seiner zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit changierenden Formensprache gekonnt gattungsübergreifend Malerei, Zeichnung und Skulptur. Mit seinen aus coloriertem Bauschaum aufgeblasenen oder fragil abgeschliffenen Arbeiten stellt der Bildhauer die Betrachter-Sichtweisen immer wieder neu auf die Probe. Der international agierende Künstler und ehemalige Meisterschüler von Georg Herold lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Foto: Marcus Rebmann/Museum Lothar Fischer

Innen-Leben

Shinichi Sawada, Keramik Alfred Kremer, Tusche

23. Februar – 19. Juli 2020

Einführung: Prof. Dr. Carla Schulz-Hoffmann,
ehem. stv. Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München

Gemeinsam mit Ton-Plastiken des autistischen Japaners Shinichi Sawada (*1982), der nun erstmals nicht im Kontext der Outsider Art zu sehen ist, werden Tuschezeichnungen des aus Regensburg stammenden Alfred Kremer (1895-1965) ausgestellt. Es handelt sich um zwei Künstler unterschiedlicher Herkunft und Generation, deren Werke jedoch gleichermaßen tiefe seelische Einblicke liefern. Ohne sich sprachlich äußern zu können, teilt sich Sawada durch geheimnisvolle Gestalten der Außenwelt mit. Kremer schafft in seinen von Krankheit gezeichneten letzten Lebensjahren Tuschen, in denen seine verborgenen Ängste und Wünsche zutage treten.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Gotthard Graubner

Farbe Raum Klang

27. Oktober 2019 – 19. Januar 2020

Einführung: Dr. Siegmar Holsten,
ehem. stv. Direktor Kunsthalle Karlsruhe

Gotthard Graubner (1930-2013) setzt sich wie kaum ein anderer Künstler in seinen Werken mit der Nuancierung und Schichtung der Farbe, dem Bildraum und Klang auseinander. Bereits in den frühen 1960er Jahren verlässt er die zweidimensionale Leinwand und entwickelt erste Farbleiber, objekthafte Kissenbilder und später seine Farbraumkörper. Neben Arbeiten dieser Werkgruppen präsentiert die Sonderausstellung auch Aquarelle und Gouachen sowie den Grafikzyklus Simulacrum des ehemaligen Hochschulprofessors, der auch Gemälde für das Schloss Bellevue und das Reichstagsgebäude schuf.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Rote Watte - Gustav Kluge

Druckstöcke und Holzdrucke

30. Juni – 13. Oktober 2019

Einführung: Dr. Hans-Werner Schmidt,
ehem. Museum der bildenden Künste Leipzig

Der Druck vom geschnittenen Holzstock spielt im Werk des 1947 in Wittenberg geborenen und heute in Hamburg lebenden Gustav Kluge eine Schlüsselrolle. Von den ursprünglich ca. 190 Druckstöcken der Jahre 1983 bis 2018 entstanden kaum klassische Auflagen, vielmehr hat der Künstler in der Regel nur wenige unikatäre Varianten abgezogen. Seine rund 900 Holzdrucke zeigen Tendenz, die klassischen Grenzen des Mediums zu überwinden und sich mit malerischen Elementen zu verbinden. Neben Holzreliefs und Druckstöcken werden im Museum Lothar Fischer auch erstmals ausgewählte Skulpturen Kluges gezeigt.

Die Wanderausstellung, zu der das Werkverzeichnis der Druckstöcke erscheint, ist in Kooperation mit dem Horst-Janssen-Museum Oldenburg und dem Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen erarbeitet worden.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Sebastian Kuhn

fray

10. Februar – 16. Juni 2019

Einführung: Dr. Ulrike Lorenz,
Direktorin Kunsthalle Mannheim

Der Bildhauer Sebastian Kuhn (*1977) fertigt Plastiken aus unterschiedlichen Werkstoffen und fügt ihnen meist Alltagsgegenstände bei. Aus diesen Materialkollisionen entstehen Wandreliefs, Bodenarbeiten, schwebend-allansichtige Kompositionen oder auch raumgreifende Installationen. Seiner Ausstellung gibt Kuhn den Titel fray und bemerkt "er ist kurz, prägnant und vieldeutig".

Studiert hat Sebastian Kuhn bei den Professoren Claus Bury und Tim Scott an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Wesentliche Anregungen holte er sich während eines Arbeitsaufenthalts in Santiago de Chile und Hiroshima sowie seinem Masterstudium am Wimbledon College of Arts in London. Der vielfach mit Preisen ausgezeichnete Künstler lebt heute in Nürnberg.  

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Käthe Kollwitz

Paare, verbunden in Liebe und Schmerz

21. Oktober 2018 – 13. Januar 2019

Einführung: Katharina Koselleck M.A.,
Käthe Kollwitz Museum, Köln

Im Nachgang zum 150. Geburtstag von Käthe Kollwitz (1867-1945) präsentiert das Museum unter dem Titel „Paare“ eine Werkschau der berühmten Bildhauerin.

Gerade das Thema Paar, verbunden in Liebe, Geborgenheit, Schmerz, Armut oder Trauer, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen. Gezeigt werden ausgewählte Skulpturen
und Zeichnungen aus dem Käthe Kollwitz Museum Köln.
Dort befindet sich heute die weltweit umfangreichste Sammlung der berühmten Künstlerin, die 1919 als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen wurde.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Leunora Salihu

Lothar-Fischer-Preis 2017

17. Juni – 7. Oktober 2018

Einführung: Dr. Thomas Heyden,
Neues Museum Nürnberg

2017 erhielt die 1977 im Kosovo geborene Leunora Salihu den dotierten Lothar-Fischer-Preis, der im Folgejahr mit einer Ausstellung im Museum verknüpft ist. Die heute in Düsseldorf lebende Bildhauerin und ehemalige Meisterschülerin von Tony Cragg beeindruckte mit ihren abstrakten Plastiken die Fachjury. Diese zeugen von einer faszinierenden Formfindung und einem klugen Umgang mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Multiplexplatten oder Keramik. Nach Einzelausstellungen im K21 in Düsseldorf und im Lehmbruck Museum in Duisburg präsentiert Leunora Salihu in Neumarkt zahlreiche Arbeiten, die ihre eigenständige künstlerische Sprache ebenso bezeugen wie ihre enorme Materialkenntnis.

Foto: Marcus Rebmann/Museum Lothar Fischer

David Nash

"Erst der Baum, dann die Form"

4. Februar – 3. Juni 2018

Einführung: Prof. Dr. Ferdinand Ullrich,
Kunstakademie Münster

Mit dem englischen Bildhauer David Nash (*1945), der heute zurückgezogen in Nordwales lebt und arbeitet, zeigt das Museum einen der wichtigsten Bildhauer Europas. Nash erforscht bis heute die Natur und den Werkstoff Holz und gibt ihm eine künstlerische Form. Ins Zentrum seines Schaffens stellt er die Idee des lebenden Baumes und verwandelt die Sinnlichkeit der Natur in Skulptur. Für seine Werke verwendet er Altholz, abgelagerte Hölzer, frisch abgeschlagenes sowie noch im Wachsen begriffenes Holz. Anhand von ca. 40 plastischen Arbeiten und Zeichnungen zeigt die Ausstellung im Museum, das immer wieder Ausblicke in den Stadtpark freigibt, wie stark das bildnerische Denken des international agierenden Künstler von der Natur geprägt ist.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Max Beckmann

auf der SPUR

22. Oktober 2017 – 21. Januar 2018

Einführung: Dr. Jeannette Stoschek
Leiterin Graphische Sammlung
Museum der bildenden Künste Leipzig

Der 1884 in Leipzig geborene Maler, Grafiker, Bildhauer und Hochschullehrer Max Beckmann galt zeitlebens nicht nur als einer der wichtigsten Vertreter der Moderne, sondern auch als künstlerischer Einzelgänger. Auch für die Münchner Gruppe SPUR war Beckmann ein besonders einflussreicher Anreger, dessen großformatiges Mappenwerk "Die Hölle" von 1919 sie inspiriert hatte.Die Ausstellung zeigt anhand ausgewählter Werke sowohl die Beckmann-Rezeption der Künstlergemeinschaft SPUR (1957-1965), als auch vor allem herausragende Leihgaben, die beispielhaft das vielfältige zeichnerische Werk des Künstlers belegen.
Das Spektrum der Papierarbeiten reicht dabei von 1914 bis zu Beckmanns Tod1950 in New York.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Monika Grzymala

Formationen, Raumzeichnungen

25. Juni – 8. Oktober 2017

Einführung: Dr. Petra Oelschlägel
Direktorin Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach

Die Zeichnungen der in Berlin lebenden und international agierenden Künstlerin Monika Grzymala (*1970) überspannen Räume. Ausgehend von einem Text Lothar Fischers über das Zeichnen bearbeitet und erweitert sie installativ den Begriff des Zeichnens. So entstehen aus der Bewegung heraus Linealogien im Raum. Ihre aus speziellen Papierklebebändern erzeugten Strukturen entspringen aus der physischen Geste und Formation heraus und zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Proportionen und Gegebenheiten eines Ausstellungsbereichs.

Neben einer speziell für Neumarkt geplanten Raumzeichnung werden aktuelle großformatige Papierarbeiten sowie Ton- und Drahtskulpturen gezeigt.

Die als Steinbildhauerin und Restauratorin ausgebildete Monika Grzymala studierte Freie Kunst und Bildhauerei an den Hochschulen in Karlsruhe, Kassel und Hamburg, wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet und erhielt Ausstellungen u.a.im Tokyo Art Museum in Japan und im Museum of Modern Art in New York.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Wilhelm Loth

Von der Figur zur Körperlandschaft 1947 bis 1988

5. März – 11. Juni 2017

Einführung: Dr. Uwe Rüth, ehem. Wilhelm-Loth-Stiftung

Der Darmstädter Wilhelm Loth (1920-1993) zählt  zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anhand von Tonplastiken, Zeichnungen, Bronzen, Fotografien und vor allem seinen selten gezeigten Gipsarbeiten thematisiert die Ausstellung Loths Schaffen von der frühen Figurauffassung zur Körperlandschaft. Ebenfalls wird deutlich, wie er das Menschenbild seiner Zeit neu gestaltet und so sukzessive zu seinem zentralen Motiv, der Darstellung des weiblichen Körpers findet.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

"Wir sind, was wir sammeln"

Von Willi Baumeister bis Andy Warhol

13. November 2016 – 19. Februar 2017

Einführung: Prof. Dr. Helmut Friedel
Intendant Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Dass das Sammeln und Ordnen als Welterfahrung auch Rückschlüsse auf die Wahrnehmung und Deutung des Sammlers zulässt, ist nichts Neues. Unter dem Ausstellungstitel "Wir sind, was wir sammeln" (Boris Groys) zeigt das Museum eine der bedeutendsten süddeutschen Privatsammlungen, die in diesem Umfang öffentlich noch nie gezeigt worden ist. Lothar Fischer stand in direkter Verbindung zu dem Sammler, dessen Interesse ähnlichen Kunstströmungen galt, so dass diese umfangreiche Sonderausstellung auch mit Werken aus der Kollektion von Lothar & Christel Fischer ergänzt wird.

Zu sehen sind Arbeiten von Horst Antes, Karel Appel, Georg Baselitz, Willi Baumeister, Jean Fautrier, Antony Gormley, Asger Jorn, Per Kirkeby, Fritz Koenig, Norbert Kricke, Henry Moore, Marino Marini, Henri Michaux, Niki de St. Phalle, Pablo Picasso, Serge Poliakoff, Sigmar Polke, Emil Schumacher, Sean Scully, Andy Warhol u.v.a.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Stefan Rohrer

Lothar-Fischer-Preis 2015

5. Juni – 30. Oktober 2016

Einführung: Dr. Britta E. Buhlmann,
Direktorin Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Stefan Rohrer, geb.1968 in Göppingen, hat 2015 den dotierten Lothar-Fischer-Preis erhalten.
Der heute in Stuttgart lebende Bildhauer widmet sich künstlerisch einer Ikone unserer Konsumgesellschaft - dem Auto. Er zerlegt sie in ihre Einzelteile, um sie anschließend in anderer Form wieder auferstehen zu lassen. Mit handwerklicher Finesse streckt, dehnt, verjüngt und verformt er sein ungewöhnliches Material zu dynamischen Gebilden, die elegant geschwungen in den Raum ausgreifen.

Foto: Marcus Rebmann/Museum Lothar Fischer

Wilhelm Lehmbruck

Porträts und anderes...

7. Februar – 22. Mai 2016

Einführung: Dr. Marion Bornscheuer, Kustodin
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg

Mit dieser konzentrierten Wilhelm-Lehmbruck-Ausstellung würdigt das Museum einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Klassischen Moderne. Anhand des Themas Porträt in Plastik, Zeichnung und Malerei werden sowohl zentrale Aspekte in Lehmbrucks Werk aufgezeigt, als auch nach dem zugrundeliegenden Menschbild gefragt.
Neben Porträt-Plastiken in Marmor, Gips, Terrakotta und Stein beinhaltet die Ausstellung auch seine berühmte Kniende aus Bronze aus dem Jahr 1911/25, die als Haupt- und Schlüsselwerk zum Verständnis seines Schaffens gilt.

Im Obergeschoss zeigen wir im Rahmen des Projekts "Gewebe. Textile Projekte" aktuelle Arbeiten von der Künstlerin Judith Siedersberger und Werke von Andreas Bindl aus der Sammlung Lothar und Christel Fischer.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Werke des deutschen Expressionismus

Sammlung Peter und Gudrun Selinka

25. Oktober 2015 – 24. Januar 2016

Einführung: Dr. Nicole Fritz,
Direktorin Kunstmuseum Ravensburg

Die Expressionisten-Sammlung des ehemaligen Ravensburger Werbeberaters Peter Selinka, die er gemeinsam mit seiner Frau zusammengetragen hat, ist eine der herausragenden deutschen Kollektionen mit Arbeiten von Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller. Schwerpunkt der Sammlerleidenschaft  von Peter und Gudrun Selinka waren seit den 50er Jahren Arbeiten der Künstlergruppe Brücke, aber auch ausgewählte Werke der Künstlerbewegung Blauer Reiter.

In den frühen 70er Jahren begann das Ehepaar auch die Künstler der Gruppe COBRA und SPUR, der auch der Bildhauer Lothar Fischer angehörte, zu sammeln.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Ravensburg, das 2013 eröffnet wurde und im Wesentlichen die Sammlung Selinka beheimatet.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Robert Schad

Durch den Körper, durch den Raum

17. Mai – 11. Oktober 2015

Einführung: Dr. Stefan Graupner, München

Der in Frankreich lebende Künstler Robert Schad (*1953) zählt zu den bedeutendsten Stahlbildhauern der Gegenwart und dies auch im internationalen Kontext. Seine aus massivem Vierkantstahl geformten Plastiken zeichnen sich durch eine starke zeichenhafte Reduktion und Abstraktion aus und verkörpern eine spielerische Leichtigkeit. Die Ausstellung zeigt erstmals einen umfassenden Überblick über sein Schaffen von den Anfängen an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe (1974-80), bis hin zu zwei neueren ortspezifischen Arbeiten. In ganz Europa sind Arbeiten von Robert Schad im öffentlichen Raum präsent.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Gruppe WIR

1959 - 1965

25. Januar – 3. Mai 2015

Einführung: Selima Niggl, Co-Kuratorin
Kuratoriumsmitglied der Lothar & Christel Fischer Stiftung

Die Gruppe WIR wurde 1959 von den Malern Florian Köhler (1935-2013), Helmut Rieger (1931-2014) und Heino Naujoks (*1937) in München gegründet. 1962 stießen der Bildhauer HM Bachmayer (1940-2013) und der Maler Reinhold Heller (1933-1993) hinzu.
1965 arbeitete man als SPUR-WIR und rief 1966 gemeinsam die Gruppe GEFLECHT ins Leben. Das Wirken dieser Künstlergruppe gilt noch heute als „einer der markantesten Beiträge zur Erneuerung der zeitgenössischen Kunst im München der Nachkriegszeit“. Erstmals wird nun diese explizit expressiv-figurative Linie innerhalb der Gruppengenealogie mit einer umfangreichen Retrospektive gewürdigt.

Gefördert durch den Kulturfonds Bayern

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Asger Jorn

Zum 100. Geburtstag –
Der Künstler und sein Galerist Otto van de Loo

12. Oktober 2014 – 11. Januar 2015

Einführung: Prof. Dr. Carla Schulz-Hoffmann
Ehem. stv. Generaldirektorin der
Bayer. Staatsgemäldesammlungen, München

Das vielfältige Werk des großen dänischen Malers und Mitbegründers der international agierenden Künstlergruppe CoBrA, Asger Jorn, entfaltet sich zwischen Figuration und Abstraktion. Noch heute zählt das experimentierfreudige Oeuvre Jorns zu den wichtigsten Dokumenten der Malerei nach 1945. Anlässlich seines 100. Geburtstags zeigt das Museum nun vor allem zahlreiche in Deutschland und vornehmlich in München bei seinem Galeristenfreund Otto van de Loo entstandene Arbeiten der Jahre 1957 bis 1973. Diese Ausstellung ist folglich auch eine Würdigung an den bedeutenden Kunsthändler van de Loo, der 2014 ebenfalls seinen 90. Geburtstag feiert.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Felix Schramm

Lothar-Fischer-Preis 2013

25. Mai – 28. September 2014

Einführung: Hans-Jürgen Hafner,
Direktor des Kunstvereins für die
Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf

Felix Schramm (geb. 1970) aus Düsseldorf hat 2013 den dotierten Lothar-Fischer-Förderpreis für Bildhauerei erhalten. Der Künstler arbeitet bei seinen raumgreifenden Arbeiten mit Gipsbaustoffen, die negative und positive Volumen bilden. Der Einsatz von Farbe spielt dabei eine große Rolle. Für das Museum hat der Bildhauer im Wechselausstellungsraum eine installative Arbeit entwickelt. Im Obergeschoss werden ergänzend einige Werke präsentiert, die in den letzten Jahren entstanden sind. Felix Schramm ist bislang mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Heimrad Prem und Lothar Fischer

Eine Künstlerfreundschaft 10 Jahre Museum Lothar Fischer

26. Januar – 11. Mai 2014

Einführung: Dr. Pia Dornacher, Museumsleitung

Eine persönliche wie auch künstlerische Freundschaft verband den Maler Heimrad Prem (1934-1978) mit dem Bildhauer Lothar Fischer (1933-2004). Dieser intensive Austausch der beiden Künstler wird nun im Museum beispielhaft thematisiert. Gezeigt wird, dass die beiden Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in München und Mitbegründer der Gruppe SPUR (1957-1965) neben Gemälden und Plastiken ein ebenso an Zeichnungen und Aquarellen reiches Oeuvre hinterlassen haben.

Zunächst künstlerisch an der Schnittstelle zwischen Informel und Neuer Figuration arbeitend, entwickeln die Kollegen zunehmend eine eigene Bildsprache, die zu den wichtigsten Zeugnissen der 60er und 70er Jahre in Deutschland zählen.

Aus Anlass seines 10jährigen Bestehens hat das Museum Lothar Fischer sowohl seine umfangreichen Prem- als auch seine Fischer-Bestände umfassend gesichtet und zeigt diese Höhepunkte der Sammlung nun in einer der Künstlerfreundschaft gewidmeten Präsentation. Neben dem bedeutenden „SPUR-Schiff“ von 1964 sind ca. 50 Arbeiten, die auch die ganze Breite des zeichnerischen Schaffens der beiden von den Studienjahren über die Pop-Phase bis hin zu Prems Freitod 1978 widerspiegeln, erstmals in einer Überblicksausstellung zu sehen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Eduardo Chillida (1924-2002)

"Ich stelle nichts dar, ich frage"

13. Oktober 2013 – 12. Januar 2014

Einführung: Dr. Ana María Rabe, Universität Hildesheim,
erste Chillida-Gastprofessur 2013 an der
Goethe-Universität Frankfurt a.M.

Die Ausstellung des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida (1924-2002) widmet sich retrospektiv seinem zeichnerischen, grafischen und plastischen Werk. Gezeigt werden unter anderem ausgewählte Plastiken in Alabaster, Stahl und Terrakotta, die die facettenreiche Bildwelt und schöpferische Logik des Ausnahmekünstlers beispielhaft verdeutlichen. Interessant ist auch, mittels dieser Sonderausstellung im Stiftermuseum des erklärten Tonbildhauers Lothar Fischer zu sehen, wie unterschiedlich die Bildhauer Chillida und Fischer mit dem Werkstoff Ton umgehen.

Für die Unterstützung der Ausstellung danken wir dem Museo Chillida in Zabalaga-Leku und der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Kristina Redeker-Warter

Innen & Außen Plastiken und Zeichnungen

12. Mai – 29. September 2013

Einführung: Dr. Brigitte Reinhardt, Ulm

Anlässlich ihres 50. Geburtstags zeigt das Museum das umfangreiche zeichnerische und plastische Schaffen der heute in Berlin lebenden Künstlerin. Ab 1991 studierte sie u.a. Bildhauerei bei Micha Ullman an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und schloss ihr Studium später bei Lothar Fischer an der Hochschule der Künste in Berlin als Meisterschülerin ab.

Noch heute zeigen ihre Arbeiten eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Figur, dem menschlichen Körper, der Hülle als plastischer Form, doch ihre Werke werden zunehmend abstrakter und geschlossener.

Das favorisierte Material Kristina Redeker-Warters ist der Stahl, den sie oft in Verbindung mit textilen Materialien bringt, was den Werken eine außergewöhnliche Spannung verleiht.

Foto: Stefan Warter

Fritz Wotruba (1907-1975)

Stehen, Sitzen, Liegen

20. Januar – 28. April 2013

Einführung: Mag. Gabriele Stöger-Spevak MAS
Kuratorin der Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien

Der Österreicher Fritz Wotruba, der sich zeitlebens künstlerisch mit der menschlichen Figur auseinandergesetzt hat, gilt noch heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. In der über 30 Werke umfassenden Ausstellung wird nicht nur das Schaffen Wotrubas von der Figürlichkeit bis hin zur abstrakt, architektonisch aufgefassten Skulptur durch bedeutende Werke dokumentiert, sondern auch sein zeichnerisches Werk vorgestellt. Im Fokus der Präsentation stehen neben zahlreichen Bronzen auch zwei Steine, die sich im Sinne Lothar Fischers mit den "Grundhaltungen des Menschen: Stehen-Sitzen-Liegen" auseinandersetzen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Helmut Rieger

Afrika in mir
Ein Dialog mit außereuropäischer Skulptur

23. September 2012 – 6. Januar 2013

Einführung: Prof. Dr. Thomas Macho
Lehrstuhl für Kulturgeschichte,
Institut für Kulturwissenschaft
an der Humboldt-Universität zu Berlin

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist bei den Fauvisten, Kubisten sowie den Malern der Künstlergruppe Brücke ein starkes Interesse an außereuropäischer Plastik zu beobachten. Besonders deutlich wird dies an Pablo Picassos 1907 entstandenem Schlüsselwerk Les Demoiselles d’Avignon, das den 1931 in Oberschlesien geborenen Maler Helmut Rieger noch heute beeindruckt. Auch die Münchner Künstlergruppen SPUR (1957-1965) und WIR (1959-1965), - letzterer gehörte Rieger als Gründungsmitglied an - besuchten die Völkerkundemuseen in Stuttgart und Basel und ließen sich dort für ihr eigenes künstlerisches Schaffen inspirieren. Mit der Ausstellung Afrika in mir wird nicht nur das eindrucksvolle Oeuvre des Malers Helmut Rieger gewürdigt, sondern es wird erstmals in einen spannenden Dialog mit ausgewählten, afrikanischen Plastiken gebracht.

Neben beeindruckenden Exponaten aus Völkerkundemuseen werden auch außereuropäische Plastiken aus der Sammlung von Lothar & Christel Fischer präsentiert.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Martin Wöhrl

Modern Art
Lothar-Fischer-Preis 2011

20. Mai – 9. September 2012

Einführung: Dr. Matthias Mühling
Sammlungsleiter Kunst nach 1945, Städtische Galerie im
Lenbachhaus und Kunstbau München

Martin Wöhrl ist bekannt für seine großformatigen, ortsspezifischen Installationen aus gebrauchten Türblättern, Pressspanresten oder Fundstücken, die er in einen neuen Zusammenhang arrangiert. Dabei entstehen Kunstwerke mit einer lebendigen Alltagsästhetik.
Parallel zu seinen raumbezogenen Arbeiten schafft er in den letzten Jahren auch eine Reihe eigenständiger Werke. Allen liegt ein lustvoller Einsatz von Material, aber auch eine gekonnt spielerische Umsetzung von Bezügen und Zitaten zu Grunde. Wöhrl geht es nie nur um formale plastische Ausformungen, sondern es findet gleichsam eine inhaltliche Auseinandersetzung mit kulturgeschichtlichen und soziologischen Aspekten statt. Mit dem zunächst wohl eher irritierenden Ausstellungstitel "Modern Art" will der Künstler durch verschiedene Plastiken humorvoll auf diesen heute so vielschichtigen Begriff anspielen. Gleichzeitig schafft er hier seinen eigenen musealen Skulpturenpark in offenem Dialog zu den Arbeiten von Lothar Fischer.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Emil Cimiotti

zum 85. Geburtstag
Den Raum ganz anders besetzen

5. Februar – 6. Mai 2012

Einführung: Prof. Dr. Christoph Zuschlag,
Universität Koblenz-Landau

Auch im internationalen Kontext zählt der 1927 in Göttingen geborene und heute in Wolfenbüttel lebende Künstler Emil Cimiotti zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern. Nach anfänglichen kritischen Äußerungen wurde er in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren als einer der wichtigsten Mitbegründer des Informel gefeiert. Noch heute zeugt sein Schaffen von eindringlicher Aktualität, Vitalität und Intensität. Bereits 1957 erhält Cimiotti den renommierten Kunstpreis Junger Westen für Bildhauerei. 1958 werden seine Plastiken auf der 29. Biennale in Venedig ausgestellt,1959 erlangt er das Stipendium der Villa Massimo in Rom, den Kunstpreis Junger Westen für Handzeichnungen sowie die Teilnahme an der documenta II in Kassel.1963 wird er Gründungsmitglied und später Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Ab 1960 folgt eine rege Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland.

Studiert hatte Cimiotti ab 1949 an der Kunstakademie Stuttgart u.a. bei Willi Baumeister bevor er an die Hochschule der Künste nach Berlin und kurze Zeit später nach Paris ging. Er lernte dort die Bildhauer Ossip Zadkine und Constantin Brancusi kennen, begegnete Le Corbusier und Fernand Léger. 1954 beendete er schließlich sein Studium an der Kunstakademie Stuttgart. Zeitlebens gelang es Cimiotti, einen eigenen Stil zu etablieren, der sich rückblickend in drei Werkphasen gliedern lässt: Ende der 1950er Jahre hatte er bereits zu seiner spontanen Bildsprache gefunden, die sich durch wuchernde, organische Formen auszeichnet, die sowohl Figuratives als auch Vegetatives andeuten. »Ich hatte den Wunsch, Plastiken vielformiger anzulegen und nicht so statisch, eher wie eine Szene, und vor allem wollte ich den Raum ganz anders besetzen«, so Cimiotti. Dies belegt beispielhaft seine Bronze Inselbewohner oder anderes von 1959 aus dem Museum Ludwig. Zur mittleren Werkphase zählen Arbeiten wie Kniende von 1983, welche einen skelettähnlichen Körper darstellt und Cimiottis Auseinandersetzung mit Leben und Tod thematisiert. Um 1990 greift der Bildhauer ältere Themen wieder auf, entwickelt sie weiter und verweist bewusst auf landschaftliche Bezüge, was sein Hügel VI verdeutlicht. Wenn er ab 1976 seine Plastiken teils farbig fasst, so fiel das Werk zwar weniger detailreich aus, wichtig war ihm aber, die Bronzen nicht »geschminkt« wirken zu lassen, so Cimiotti, wie dies manchmal bei Malern zu beobachten ist, die auch bildhauerisch arbeiten. Mit dieser Retrospektive wird anhand von über dreißig Plastiken und ebenso vielen Zeichnungen und Werkskizzen das Schaffen des Bildhauers von 1956 bis 2011 gewürdigt. In Neumarkt wird zudem erstmals sichtbar, welche künstlerische Nähe zwischen Emil Cimiotti und Lothar Fischer bestand, die sich 1959 in der Villa Massimo in Rom kennenlernten.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Carl Schuch (1846 - 1903)

Die Sammlung des Morat-Instituts

9. Oktober 2011 – 22. Januar 2012

Einführung: Prof. Dr. Christian Lenz,
Ludwig-Maximilians-Universität München

Im Jahr 2000 wurde das Werk des 1846 in Wien geborenen Malers Carl Eduard Schuch in einer wichtigen Dortmunder Ausstellung zusammen mit Gemälden der französischen Maler Paul Cézanne und Edouard Manet präsentiert. Während Cézanne und Manet zu den bedeutendsten Wegbereitern der Moderne zählen, ist das Schaffen Schuchs einem breiteren Publikum eher unbekannt. Doch ist heute unbestritten, dass das Werk des früh verwaisten Künstlers, der zeitlebens über ein ansehnliches Vermögen verfügte, auch im internationalen Kontext zu den wichtigsten Zeugnissen der Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehört. Das belegte bereits seine 1986 in der Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München gezeigte erste Retrospektive mit zahlreichen Landschaften, Architekturstücken, Stillleben und Tierstudien.
Bei beiden Ausstellungsprojekten war das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau einer der Hauptleihgeber. Mit über dreißig Leinwänden von hoher künstlerischer Qualität besitzt es weltweit die renommierteste Sammlung an Schuch-Gemälden. Diese von Franz Armin und Eva M. Morat zusammengetragenen Arbeiten werden nun erstmals in ihrer Gesamtheit in einer Einzelausstellung im Museum Lothar Fischer gezeigt. Spannend dabei ist, dass die Morat-Sammlung Leinwände aus fast allen Phasenim Leben und Werk Carl Schuchs besitzt, beginnend mit den frühen Landschaften, und den Arbeiten ab 1871, die während seiner Zeit in München und Umgebung im Kreis der Maler Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner entstanden sind.

Im Jahr 2000 wurde das Werk des 1846 in Wien geborenen Malers Carl Eduard Schuch in einer wichtigen Dortmunder Ausstellung zusammen mit Gemälden der französischen Maler Paul Cézanne und Edouard Manet präsentiert. Während  Cézanne und Manet zu den bedeutendsten Wegbereitern der Moderne zählen, ist das Schaffen Schuchs einem breiteren Publikum eher unbekannt. Doch ist heute unbestritten, dass das Werk des früh verwaisten Künstlers, der zeitlebens über ein ansehnliches Vermögen verfügte, auch im internationalen Kontext zu den wichtigsten Zeugnissen der Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehört. Das belegte bereits seine 1986 in der Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München gezeigte erste Retrospektive mit zahlreichen Landschaften, Architekturstücken, Stillleben und Tierstudien.
Bei beiden Ausstellungsprojekten war das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau einer der Hauptleihgeber. Mit über dreißig Leinwänden von hoher künstlerischer Qualität besitzt es weltweit die renommierteste Sammlung an Schuch-Gemälden. Diese von Franz Armin und Eva M. Morat zusammengetragenen Arbeiten werden nun erstmals in ihrer Gesamtheit in einer Einzelausstellung im Museum Lothar Fischer gezeigt. Spannend dabei ist, dass die Morat-Sammlung Leinwände aus fast allen Phasen im Leben und Werk Carl Schuchs besitzt, beginnend mit den frühen Landschaften, und den Arbeiten ab 1871, die während seiner Zeit in München und Umgebung im Kreis der Maler Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner entstanden sind.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Menno Fahl und Friedemann Grieshaber

Form, Figur, Auflösung

29. Mai – 25. September 2011

Einführung: Dr. Marc Wellmann,
Ausstellungsleiter Georg-Kolbe-Museum, Berlin

Als Professor an der Hochschule der Künste Berlin prägte Lothar Fischer jüngere Bildhauer. Die Ausstellung mit ca. vierzig Werken seiner ehemaligen Studenten Menno Fahl (geb. 1967) und Friedemann Grieshaber (geb. 1968) zeigt ebenfalls die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur. Beide Bildhauer leben und arbeiten heute in Berlin.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Toni Stadler und Priska von Martin

Plastiken und Zeichnungen eines Künstlerpaars

30. Januar – 15. Mai 2011

Einführung: Dr. Arie Hartog,
Direktor Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

Wer kennt nicht die berühmten Künstlerpaare wie Auguste Rodin und Camille Claudel, Jean Tinguely und Niki de St. Phalle oder Christo und Jeanne Claude?
Obwohl das plastische und zeichnerische Werk von Toni Stadler (1888-1982) und Priska von Martin (1912-1982) zu den bedeutendsten Zeugnissen der Münchener Bildhauerei der klassischen Moderne zählt, ist ihr Schaffen bis heute eher unbekannt geblieben. Doch mit dieser Gemeinschaftsausstellung wird das Oeuvre dieses außergewöhnlichen Künstlerpaars wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Lothar  Fischer verband mit Toni Stadler und Priska von Martin eine enge Freundschaft.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Henry Moore

Natur und Figur
Druckgrafik und ausgewählte Plastiken

17. Oktober 2010 – 9. Januar 2011

Einführung: Prof. Dr. Christa Lichtenstern, Berlin

Die Beschäftigung mit dem Werk des englischen Künstlers Henry Moore (1898-1986), der für die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts neue Maßstäbe setzt, bedeutet immer auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Natur und Figur. Wie kein anderer Plastiker bringt er die menschliche Gestalt in Beziehung mit biomorphen Formen. Doch sein Schaffen entwickelt sich nicht nach der Natur, sondern vielmehr wie diese in einem schöpferisch-kreativen Prozess.
Als 1940 sein Atelier in London durch Bombenangriffe zerstört wird, zieht er gemeinsam mit seiner Frau Irina in das nordöstlich gelegene Dorf Perry Green, wo sich noch heute der Sitz der Henry Moore Foundation befindet. Von einer beeindruckenden Landschaft umgeben, beginnt Moore, fasziniert von den Strukturen vorgefundener Naturformen Steine oder Treibhölzer zu sammeln. Außerdem begeistert er sich für Muscheln, Korallen, Tierschädel und Knochenfragmente. Bei seiner organischen Formfindung lässt er sich dann von diesen Fundstücken inspirieren. Nachhaltiges Interesse zeigte er auch an einem afrikanischen Elefantenschädel, den er von dem berühmten Biologen Julian Huxley als Geschenk erhielt. Ein Exemplar Moores Elephant Skull Album befindet sich im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg, das Moore schon 1965 besuchte. Beeindruckt von diesem ersten Haus moderner Skulptur in Europa beschloss der Bildhauer, dem Museum fortan von jeder Grafik ein Exemplar als Schenkung zu überlassen. Heute besitzt Duisburg eine der größten Moore-Grafik-Sammlungen der Welt, die nicht nur Arbeiten aus fast allen Schaffensphasen aufweist, sondern auch die Vielfältigkeit der grafischen Themen und Techniken der Einzelblätter, Folgen und Druckzustände verdeutlicht. Das Fischer-Museum zeigt nun ca. 70 dieser selten präsentierten Auflagenwerke, die Moores morphologisches Interesse ebenso wie sein bildnerisches Denken verdeutlichen. Sinnfällig ergänzt wird dieser Werkkomplex durch ausgewählte Plastiken. In Anlehnung an  seine Sammlung von Fundstücken und Gegenständen aus der Natur, werden in der Schau zudem ein Rhinozeros-, ein Pferde- und ein Elefantenschädel in direktem Bezug zu seinen Werken gesetzt.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Brigitte Schwacke

Lothar-Fischer-Preis 2009

13. Juni – 3. Oktober 2010

Einführung: Dr. Ulrike Lorenz,
Direktorin Kunsthalle Mannheim

Lothar Fischer war es ein großes Anliegen, einen dotierten Förderpreis mit dem Schwerpunkt Bildhauerei auszuloben. Dieser alle zwei Jahre von der Lothar & Christel Fischer Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Neumarkt vergebene Preis ist jeweils im Folgejahr mit einer Ausstellung im Museum verbunden. Nach den Preisträgern Klaus Hack und Rolf Wicker  wurde 2009 die 1957 in Marl geborene und heute in München lebende Brigitte Schwacke von einer elfköpfigen Jury, bestehend aus Mitgliedern des Vorstands und des Kuratoriums der Stiftung sowie Ehrenjuroren, ausgezeichnet. Die Bildhauerin studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Sir Eduardo Paolozzi bevor sie ab 1991 als DAAD-Stipendiatin an das Royal College of Art und anschließend an die Slade School of Fine Art nach London ging.  Mit Brigitte Schwacke wird eine Künstlerin vorgestellt, die mit ihren filigranen »dreidimensionalen Raumzeichnungen« ein konsequentes Werk verfolgt, das sowohl der Plastik als auch der Zeichnung sehr nahe steht. Die Bildhauerin begreift den einfachen legierten Draht als Linie im Raum und lässt beim Arbeiten voluminöse Gebilde entstehen, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen. Dabei bleiben die Dimensionen ihrer Objekte bewusst unbestimmt. Interessant ist, dass Schwacke nicht mit einer schweren Masse agiert, aus der heraus sie formt, sondern Leerräume mit großem Volumen umschließt. Hierdurch entsteht oftmals der Eindruck, die imaginären Drahtgebilde würden wie durch eine Membran atmen. Bei ihren additiv aufgefassten, prozesshaften Arbeiten geht es inhaltlich um aktuelle Fragestellungen wie Grenzbereiche des Daseins, Schwebezustände, Vernetzungen, Bezüge und Korrespondenzen von Formen und ihren Verdichtungen oder Auflösungen im Raum. Aber auch Offenheit und Freiheit in unterschiedlichen Systemen oder gesellschaftlichen Konstellationen sowie die Frage nach dem nicht fassbaren Phänomen von Raum und Zeit sind zentrale Themen der Bildhauerin. Wichtig bei der Erarbeitung ihrer Raumzeichnungen ist und bleibt jedoch der Mensch als wesentlicher korrespondierender Bezugspunkt zum Werk.
Nach einem gewonnenen Kunst am Bau Wettbewerb für das Biozentrum II der Ludwig-Maximilians-Universität in München realisiert die Künstlerin 2008 eine über neunzehn Meter große plastische Arbeit aus legiertem Draht. Eigens für den architektonisch klar gegliederten Wechselausstellungsbereich des Museums schafft sie eine weitere raumspezifische Installation. Betritt man den lichtdurchfluteten Ausstellungsbereich wandert der Blick über ein Gebirgsmassiv, das durch seine Ausdehnung den Raum beherrscht. Als »dreidimensionale Raumzeichnung« nimmt man die Massivität der Bergkette wahr, doch löst sich diese im gleichen Augenblick im linienartigen Drahtgewirr wieder auf und lässt die Grenzen der Arbeit verschwimmen. Wie in vielen ihrer Werke geht es hier um das lebendige Zusammenspiel von Innen und Außen sowie Labilität und Stabilität. Ein Thema, das auch Lothar Fischer in der Bildhauerei immer wieder aufgegriffen hat. Ähnlich ist auch die Herangehensweise beider Bildhauer, bei denen sich die plastischen Formen zunächst nach einem bewusst gestalterischen Konzept, dann aber im Wesentlichen frei beim schöpferisch, handwerklichen Machen entwickeln.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Abbildung: Tom Fährmann

Rolf Szymanski

Die Flucht aus der Zeit

24. Januar – 6. Juni 2010

Einführung: Prof. Jörn Merkert,
Direktor Berlinische Galerie

Der 1928 in Leipzig geborene und heute in Berlin lebende Rolf Szymanski zählt mit seiner bildnerischen Formensprache zweifellos zu den wichtigen Größen der Deutschen Bildhauerszene nach 1945. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Leipzig und der Hochschule für Bildende Künste im damaligen Berlin-West  von 1950-1955 wird Szymanski schon früh durch zahlreichen Stipendien im In- und Ausland ausgezeichnet. 1964 nimmt er an der documenta III in Kassel teil und 1990 an der Biennale in Venedig. Obgleich die Bedeutung des ehemaligen Hochschulprofessors und Vizepräsidents der Berliner Akademie der Künste auch im internationalen Kontext unumstritten ist, scheint Szymanskis Oeuvre vor allem im süddeutschen Raum einer breiteren Öffentlichkeit bislang unbekannt. Mit dieser retrospektiv angelegten Werkschau wird sein Schaffen noch stärker ins Bewusstsein gerückt werden, aber auch ein fruchtbarer Dialog zweier Weggefährten und ehemaligen Kollegen an der Hochschule der Künste - Rolf Szymanski und Lothar Fischer - erstmals aufgezeigt werden. Lothar Fischer schätzte dessen Werk außerordentlich und schlug ihn 1999 als Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München vor.

Szymanskis plastisches und zeichnerisches Werk widmet sich zeitlebens der menschlichen, zumeist weiblichen Figur, und vermittelt einen stark ausgeprägten Drang nach Freiheit. Seine Plastiken vereinen in sich zwei sehr gegensätzliche Elemente. So sind sie zum einen geprägt von einem hohen Maß an Expressivität und wirken aufgewühlt, zum anderen zeugen sie, ausgehend von einem stabilen Zentrum,  von spürbarer Ruhe und vermitteln ein in sich Horchen. Ob seine Frauenfiguren stehen, sitzen, liegen oder hocken, es geht dem Bildhauer immer um das aufbrechen einer organisch gewachsenen Oberflächenstruktur, die von einem energetisch geladenen Kern ausgeht. Dieser behauptet sich gegen von außen andrängende Kräfte. Szymanski interessieren physiognomische Details einer Figur nicht, sondern vielmehr Haltungen, Gesten und emotionale Empfindungen. Die Kreatürlichkeit des menschlichen Daseins ist die wesentliche Aussage seiner Formensprache. Seine Plastiken stehen symbolisch für Vitalität, Wachstum, aber auch Vernichtung und Vergänglichkeit. Wie kaum ein anderer Bildhauer vermag er in seinen Arbeiten das Wesen des Werdens und Vergehens zu erfassen. Darüber hinaus zeugen sie von einer unmittelbaren und eindringlichen Präsenz sowie einer barock anmutenden Lust nach Formfindung und -verwerfung.
Szymanki hält aber auch enge Fühlung zur Literatur und Poesie; er liebt die Dichtung, so dass viele seiner Werke auf diese Verbindung hinweisen. Neben einigen Kunstwerken verleiht er auch der Schau den Titel der 1927 verfassten Schrift  des Dadaisten Hugo Ball „Die Flucht aus der Zeit“.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Jean Dubuffet

Ein Leben im Laufschritt

27. September 2009 – 10. Januar 2010

Einführung: Prof. Dr. Andreas Frantzke, Karlsruhe

Der 1901 in Le Havre als Sohn einer großbürgerlichen Weinhändlerfamilie geborene Jean Dubuffet hat mit seinem kreativen Potenzial die internationale Kunstszene nach 1945 maßgeblich beeinflusst. Durch sein Interesse für das Abseitige, wie die Kunst von Außenseitern oder das Erkennen der kreativen Kräfte von psychisch Kranken, fordert er unsere Wahrnehmung heraus und bricht mit traditionellen Sichtweisen. Er schätzte die Bildnerei von Laien, Kindern und Sonderlingen als Quelle künstlerischer Inspiration und prägte für die ursprünglichen Ausdrucksformen den Begriff Art Brut. Ganz im Gegensatz zu dem direkten, unreflektierten Zugang dieser Kunstformen, die er sich für sein Schaffen dienstbar gemacht hat, steht die eigene, intellektuelle Herangehensweise an die Kunst. Als Dubuffet 1985 stirbt, ist seine kurz zuvor aus der Rückschau begonnene Biografie im Laufschritt bereits fertiggestellt. Sein Werk entsprechend dem Titel der Autobiografie »im Laufschritt« zu präsentieren, versucht einen Eindruck vom geistigen Tempo des Künstlers zu vermitteln, der weit mehr war als Maler und Bildhauer, nämlich gleichermaßen Schriftsteller, Dichter, Philosoph und Sammler. Als sich Dubuffet erst mit 41 Jahren endgültig der Kunst zuwendet, malt er figurative Ölbilder wie Personnage au bicorne, bevor seine berühmten Portraits wie das von Antonin Artaud aus dem Jahr 1946 aus der Werkgruppe Plus beaux qu’ ils croient entstehen. Die 1947/48 datierte Papierarbeit Sans titre (Bédouins et chameau)  ist Zeugnis seiner Reisen in die algerische Sahara, während die collageartig bearbeitete Leinwand Jardin de milieu  beispielhaft sein Experimentieren mit ungewöhnlichen Werkstoffen belegt. Mit Gips, Sand oder Teer wusste Dubuffet höchst eigenwillige, von sinnlicher Vitalität zeugende, gespachtelte oder geknetete Materialbilder entstehen zu lassen.

Personnage des Légendes deutet 1962 vage eine neue Werkgruppe an, die in der Ausstellung dann mit Cortège prime-saute exemplarisch vertreten ist. Nun erst beginnt laut Dubuffet seine abstrakte Bildsprache: er erfindet die virtuelle Welt L’ Hourloupe, die ausschließlich aus den Farben Rot und Blau sowie den Unfarben Weiß und Schwarz besteht. Diese beschäftigt ihn über zwölf Jahre lang und wird von ihm später auch dreidimensional umgesetzt. Stellvertretend für sein Spätwerk zeigt die Präsentation in Neumarkt Site avec 5 personnages, das 1981 entstand, in dem Jahr, in dem sowohl das Salomon R. Guggenheim Museum in New York als auch das Centre Pompidou, Musée national  d’art moderne in Paris Dubuffets Schaffen anlässlich seines 80. Geburtstags mit bedeutenden Retrospektiven würdigten. Anhand von mehr als 50 Arbeiten aus fast allen Schaffensphasen stellt diese im Vergleich zu den vorausgegangenen Präsentationen in der Langen Foundation in  Neuss und der Retrospektive in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München modifizierte Ausstellung im Museum Lothar Fischer Dubuffets Werk erstmals in direkten Dialog mit Arbeiten der Münchner Künstlergruppe SPUR, der auch Lothar Fischer von 1957 bis 1965 angehörte. Fischer, Prem, Sturm und HP Zimmer standen in losem Kontakt zu dem Franzosen, schätzten seine Malerei außerordentlich und ließen sich früh von der Wirkungskraft seiner Kunst inspirieren. Heute gilt Jean Dubuffet als einer der wichtigsten Anreger der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Anziehung & Ausstrahlung

5 Jahre Museum Lothar Fischer

5. Juli – 13. September 2009

Einführung: Dr. Pia Dornacher, Künstlerische Leitung Museum

Lothar Fischer, der aufgrund seiner unverwechselbaren künstlerischen Sprache und seines beachtenswerten Beitrags im Bereich der figurativen Plastik zu den wichtigsten Bildhauern der Nachkriegszeit in Deutschland zählt, hat anlässlich der Museumseröffnung noch selbst das Konzept der Präsentation seiner Werke entwickelt. Damals war es sein Wunsch, die Plastiken und Zeichnungen nicht in einer bestimmten Raumabfolge chronologisch zu gliedern, sondern nach Materialbeschaffenheit zu ordnen. Ab Juli 2009 wird nun ein neues temporäres Konzept für die Aufstellung im Museum vorgelegt, das seine zahlreichen Werkphasen in unterschiedlichen Räumen, die in Größe, Proportion, Lichtführung und Material ideale Voraussetzungen zur Wahrnehmung und zum Verständnis seiner Kunst bieten, nach Werkphasen würdigt. Auf ca. 500 m² Ausstellungsfläche wird das Schaffen von der Studienzeit (1953-1958), über die Jahre mit den Gruppen SPUR (1957-1965) und GEFLECHT (1965-1966), dem Einfluss der Pop-Art (1966-1968) bis hin zu den Hüllen (1969-1974) dokumentiert. Ab 1975 ist sein plastisches Werk geprägt von Konzentration, Strenge und Geschlossenheit, bevor sich organische Konstruktionen und Transparenz wieder als wesentliche Merkmale seiner Bildsprache heraus kristallisieren. Um 1995 stellt das Thema der Variation den wesentlichen Schwerpunkt seines Œuvres dar, was in der retrospektiv angelegten Neupräsentation anhand ausgewählter Plastiken in Bronze, Eisen und Gips/Styropor gezeigt wird. Im Wechselausstellungsbereich gibt eine Dokumentation erstmals einen guten Einblick in die Genese des Hauses von der Stiftungsidee zum Jubiläum. Dass Dokumentation auch lebendig sein kann, ist vor allem der raumbezogenen, begehbaren Installation aus weißen Kabelbindern, die vom Studiengang Innenarchitektur der Akademie der Bildenden Künste München für eine Schau in der Pinakothek der Moderne 2008 geschaffen wurde, zu verdanken. Sie lädt nicht nur zum Ruhen, Lesen und Schmökern ein, sondern belegt erneut die gelungene Symbiose von Kunst, Architektur und Natur im Museum Lothar Fischer.
Zur Ausstellung ist vom Museum Lothar Fischer ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Herbert Peters

Stein, Eisen, Bronze, Gips

15. März – 14. Juni 2009

Einführung: Florian Sundheimer, Nachlass Herbert Peters

Der 1925 in Ragnit/Ostpreußen geborene Herbert Peters stellt seit mehr als 50 Jahren mit seinen Plastiken in Stein, Eisen, Bronze und Gips das klassische Thema der menschlichen Figur ins Zentrum seines künstlerischen Schaffens. Wie viele Bildhauer seiner Generation, beschäftigt ihn stets die Frage nach den physischen Befindlichkeiten wie Stabilität, Labilität oder Tektonik einer Figur. Anfänglich prägen Peters Schaffen nicht nur sein Lehrer Toni Stadler während der Studienjahre von 1949 bis 1955, sondern auch die Anregungen der damaligen Avantgarde. Nach der Überwindung der informellen Formensprache verdichtet er um 1968 seine Formen zu kräftigen dreidimensionalen Gebilden, die mit prallen Rundungen Raum beanspruchen. Schließlich findet er zwischen den anthropomorphen und geometrischen Gestaltungsprinzipien zu seiner eigenständigen Bildsprache und erobert mit kraftvollen Arbeiten als einer der bedeutendsten figürlichen Bildhauer nach 1945 in Deutschland zunehmend auch den öffentlichen Raum. Es sind vor allem organisch angelegte Strukturen, die seine körperhaften Stelen, seine blockhaften Torsi oder seine geometrisch aufgefassten Scheibenformen auf dem Weg von der Figürlichkeit hin zu einer immer deutlicher werdenden Strenge, Konzentration, Reduktion und Abstraktion kennzeichnen.
Mit dieser Museumschau wurde nicht nur sein Werk erstmals nach seinem Tod 2006 gewürdigt, sondern auch die bildnerische Nähe und freundschaftliche Verbundenheit der Künstler Peters und Fischer in einem Dialog sichtbar. Wie in der Präsentation der Plastiken des Museumsstifters wurden auch die Arbeiten Peters nicht in chronologischer Abfolge gezeigt, sondern nach Materialbeschaffenheit räumlich gegliedert. Darüber hinaus bereicherten zahlreiche Papierarbeiten diese Retrospektive.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Giorgio Morandi im Dialog mit
Plastiken von Christina von Bitter

Die sichtbare Stille

19. Oktober 2008 – 1. März 2009

Einführung: Franz Armin Morat, Morat-Institut für
Kunst und Kunstwissenschaften Freiburg i.Br.

Erstmals wurde der Versuch gewagt, einen der bedeutendsten Maler der Klassischen Moderne, Giorgio Morandi (1890-1964), mit einer zeitgenössischen Bildhauerposition in einen Dialog treten zu lassen. Christina von Bitter, ehemalige Meisterschülerin von Lothar Fischer, deren Geburtsjahr auf Morandis Todesjahr folgt, empfand dieses Projekt als besondere Herausforderung. Morandi hat mit der Darstellung alltäglicher Gegenstände zu seinem unverwechselbaren Stil gefunden und die Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. In seinen kleinformatigen Darstellungen sind es nur wenige Objekte wie Flaschen, Dosen, Kannen oder auch unbelebte Landschaften mit Häusern, die seine Bildwelt umschreiben. Die Kraft und Intensität der Arbeiten liegen in der Konzentration und Reduktion auf nur wenige Motive. Er wird zum Meister der Stille, der die Zeit anhält und Metaphern für Licht, Raum und Distanz entstehen lässt. Von Bitters zumeist in weiß gefasste, organisch geformte Plastiken wirken fragil mit ihrer knitterigen Haut aus Papier. Zerbrechlich sind diese Flugobjekte, Gefäße, Kleidungsstücke und Häuser aber nur scheinbar und alle Objekte agieren im Raum unabhängig von ihrer Größe und Form, gleichwertig nebeneinander, frei von Dominanz oder Hierarchie. Die Besonderheit und Stille der Arbeiten scheinen sich - wie die Gefäße der Morandi-Stillleben – gerade in der Geschlossenheit und gegenseitigen Verbundenheit zu offenbaren. Auch sind Leere und Abwesenheit für beide Künstler thematisch von zentraler Bedeutung. Bei den Aquarellen Morandis ist es oft der Leerraum zwischen den dargestellten Gegenständen, der die Bildfläche besonders prägt. Bei den Plastiken der Bildhauerin kreisen die Gedanken immer wieder um die Leere ihrer von Papierhülle umschlossenen Hohlräume, gleich, ob sie ein Gefäß ohne Inhalt oder ein Kleid ohne Körper skizzieren. „Leere und Stille können sehr lebendig sein, …weil der Mensch die Abwesenheit von etwas mit seiner Erinnerung und Vorstellungskraft in Anwesenheit verwandeln kann.“ Dies gilt für Arbeiten beider Künstler gleichermaßen, fern von Zeit, Raum und Ruhm.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Rolf Wicker

Lothar-Fischer-Preis 2007

20. Juli – 5. Oktober 2008

Einführung: Dr. Bernd Goldmann, Direktor Internationales
Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg

Mit seinem installativen Werk zählt der 1965 in Ravensburg geborene und heute in Berlin lebende Bildhauer Rolf Wicker zu einer Künstlergeneration, die verstärkt orts- und architekturbezogen arbeitet. Dies bezeugte auch seine im Rahmen des Lothar-Fischer-Preises 2007 entstandene Arbeit mit dem Titel Prachatitz-Projekt, die er nach einem Besuch der gotischen Hallenkirche St. Johannes in Neumarkt für den Wechselausstellungsraum des Museums entwickelt und realisiert hat. „In der Johanneskirche entdeckte ich“, so Wicker, „einige architektonische Details, die wohl Resultate baulicher Veränderungen waren. Die skulpturalen Formen funktionslos gewordener Architektur, wie z. B. Ruinen, archäologische Reste, Abrisselemente, Fragmente, zwecklos gewordene räumliche Situationen durch Um- und Anbauten, erregen fast immer reflexartig meine Aufmerksamkeit.“ Inspiriert durch das Formenrepertoire der Kirche und auf Grundlage von mittelalterlichen Bauzeichnungen begann der Preisträger zunächst in einem ambitionierten Arbeitsprozess mit dem Bau unzähliger Kartonmodelle. Er entwickelte so ein installativ-skulpturales Projekt aus grau gefärbten Holzplatten, das mit dem modernen Museumsgebäude in einem spannungsvollen Verhältnis stand. Wickers besondere Aufmerksamkeit fiel dabei auf eine Plansammlung mit Architekturzeichnungen u. a. des böhmischen Baumeisters Peter von Prachatitz (†1429), der dem Neumarkter Projekt seinen Werktitel verlieh. Im Wechselausstellungsraum mit großem Panoramafester und Betonboden wurde vom Künstler spielerisch eine Montage aus konstruktiv-baulichen Einzelformen platziert, die an eine Mischung von Architektur, Dekorationssystem und Technik erinnert. Rolf Wicker gelang eine bewusst offen angelegte Installation, die vage an scherenschnittartige Bühnenkonstruktionen erinnerte.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Maria Lassnig und ihre Schülerinnen
Johanna Freise und Regina Götz

Das eigene Ich

13. April – 6. Juli 2008

Einführung: Dr. Hanne Weskott, Kunstkritikerin München

Die 1919 in Kärnten geborene und heute in Wien ansässige Maria Lassnig zählt mit ihrem malerischen, zeichnerischen und filmerischen Werk zu den bedeutendsten Anregerinnen für junge, zeitgenössische Künstler. Während ihrer Lehrtätigkeit an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien wirkt sie auch auf ihre beiden Schülerinnen Johanna Freise (*1961) und Regina Götz (* 1966). Lassnig geht es seit den 60er Jahren in ihren Arbeiten um die bildhafte Manifestation und Konzentration von Körpergefühlen. „Als ich in meiner Malerei müde wurde, die Natur analysierend darzustellen, suchte ich nach einer Realität, die mehr in meinem Besitz wäre als die Außenwelt und fand als solche das von mir bewohnte Körpergehäuse…“ Während sie dem Körpergefühl traut, zu dem sie sich beim Malen bewusst zum Ich als Zentrum der Welt bekennt, misstraut sie dem Spiegelbild. Johanna Freise strebt in ihren Selbstdarstellungen eine abbildende Ähnlichkeit an, wenngleich es ihr nicht um den Blick in den Spiegel, sondern hinter den Spiegel geht. Sie hinterfragt die Wahrnehmung in der Auseinandersetzung mit emotionalen Gegebenheiten, Erinnerungen, Ängsten oder persönlichen Alptraum-Sequenzen. Mit mutiger und schonungsloser Selbstverständlichkeit schafft sie Arbeiten, die auch gesellschaftskritische Verhältnisse und Zwänge darlegen. Regina Götz malt sich oft detailgetreu im Kreis von Tieren. Sie wehrt sich gegen Äußerungen, dass ihre Arbeiten immer einen ostentativen Hinweis auf ihre Behinderung enthalten. „Das ist absolut falsch. Ich male Selbstporträts…, dann male ich auch das Pflaster an meinem Hals. Aus dem einfachen Grund, weil es nun mal da ist.“ Die Frage nach dem Ich im Sinne von „was bin ich, wer bin ich oder wie bin ich“ ist zentrale Aussage aller Exponate. Sich mit dem Selbst zu befassen, führt bei den drei Künstlerinnen zu jeweils äußerst eigenständigen Bildfindungen, die in den letzten Jahren verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Alberto Giacometti (1901-1966)

Sammlung Klewan

9. Dezember 2007 – 30. März 2008

Einführung: Dr. Christiane Lange, Direktorin der
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München

Der 1901 im Kanton Graubünden geborene Alberto Giacometti zählt zu den wichtigsten Künstlern, die das 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt haben. Mit der Sammlung des Österreichers Helmut Klewan zeigte das Museum eine der qualitätvollsten und umfangreichsten privaten Giacometti-Kollektionen, die sich vor allem auf Zeichnungen und wichtige druckgrafische Blätter der 50er und 60er Jahre konzentriert, aber auch sechs Plastiken und fünf Gemälde beinhaltet. Nach drei Ausstellungsstationen in Spanien wurde die Sammlung Klewan in Deutschland nur in Neumarkt gezeigt.
Als Giacometti mit einundzwanzig Jahren aus der Schweiz nach Paris übersiedelt, ist zunächst eine Auseinandersetzung mit den Strömungen der Avantgarde, der Stammeskunst und den Surrealisten zu beobachten. Doch schon um 1934 wendet er sich von der Bildsprache der Surrealisten wieder ab und beginnt erneut nach der Natur zu arbeiten, was ihn in eine lang andauernde Schaffenskrise führt. Nie zufrieden mit dem künstlerischen Ergebnis zerstört er das Entstandene immer wieder und seine Skulpturen schrumpfen „fast ins Nichts“. Nach dem Zweiten Weltkrieg findet er durch die zunehmende Entmaterialisierung seiner Figuren eine Möglichkeit, diese formal wieder größer werden zu lassen. Doch kein Werk gelangt angeblich bewusst zum Abschluss, keine Skulptur wird im herkömmlichen Sinn vollendet. Das Bewusstsein des Scheiterns wird zum integralen Bestandteil seiner Arbeit, der er sich leidenschaftlich hingibt. Trotz zunehmendem, auch finanziellem Erfolg, bleibt er in seinem bescheidenen Atelier im Pariser Stadtteil Montparnasse und führt bis 1966 ein Leben in spartanischer Einfachheit. Lothar Fischer, der Giacometti 1962 persönlich kennenlernt, versucht später in London eine Skulptur für seine Sammlung zu erwerben. Als ihm dies nicht gelingt, schafft er 1987/88 als Würdigung an das Vorbild zwei plastische Werke mit dem Titel „Hommage à Giacometti.“
Zur Ausstellung ist vom Museum Lothar Fischer ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Gruppe GEFLECHT

Arbeiten von 1965 - 1968

23. September – 25. November 2007

Einführung: Dr. Luise Metzel, Silke Schreiber Verlag, München

Im Zentrum der Retrospektive der Gruppe GEFLECHT standen die für die Künstlergemeinschaft charakteristischen reliefartigen, stark farbigen Antiobjekte, die aus der Zusammenarbeit und dem Zusammenschluss der Gruppen SPUR (1957-1965) mit Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und HP Zimmer sowie WIR (1959-1965) mit Hans Matthäus Bachmayer (*1940), Reinhold Heller (1933-1993), Florian Köhler (*1935), Heino Naujoks (*1937) und Helmut Rieger (*1931) resultieren. Sie sind Ausdruck der Utopie einer neuen Kunst, die sich gegen bildimmanente Hierarchien und konventionelle Gestaltungsprinzipien richtet, Gemeinschaftsarbeit und zugleich Lebensentwurf manifestiert und für ein neues, erweitertes Kunstverständnis wirbt – eine im Nachkriegsdeutschland durchaus auch radikale politische Aussage. Als im Zuge der Studentenbewegung eine Erweiterung des Gruppenkonzepts diskutiert wurde, löst sich GEFLECHT im Jahre 1968 über der Kontroverse, den künstlerischen Impetus verstärkt in eine politische Aktion zu überführen, auf. Neben den Antiobjekten von GEFLECHT waren in der Retrospektive auch ausgewählte Werke der Gruppen SPUR und WIR aus dem Jahr 1965 zu sehen, die verdeutlichten, wie sich aus den Gestaltungsprinzipien der Schichtung und Verflechtung eine eigenständige, für die Künstler beider Gruppen gleichermaßen verbindliche und dennoch individuelle Bildsprache entwickelte. Der konzeptuelle Bogen dieser Ausstellung wird wurde durch zahlreiche Papierarbeiten aus den Jahren 1967/68 geschlossen, Zeichen für die Konzentration auch auf Einzelcharakteristika, denen sich die Künstler trotz – durchaus konfliktträchtiger – Identifikation mit ihrer Gruppe und während des Baus der Antiobjekte nie ganz verschlossen haben.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Henning Kürschners und Pomona Zipser

Malerei und Bildhauerei

22. Juli – 16. September 2007

Einführung: Prof. Jörn Merkert, Direktor Berlinische Galerie

In dieser Ausstellung wurde die kraftvolle Malerei Henning Kürschners (*1941) mit den fragil anmutenden Arbeiten der Bildhauerin Pomona Zipser (*1958) konfrontiert. Beide Künstler leben und arbeiten heute im Raum Berlin, standen in enger Verbindung zum Museumsstifter und stellten erstmals gemeinsam aus. Als Kürschner 1981 an der Hochschule der Künste in Berlin - hier studierte er ab 1963 bei Fred Thieler Malerei und wird 1967 Mitglied der avantgardistischen Selbsthilfegalerie Großgörschen 35 - eine Professur erhielt, war sein Kollege dort Lothar Fischer. Zipser studierte zunächst Malerei bei Mac Zimmermann an der Akademie der Bildenden Künste in München, bevor sie in die Bildhauerklasse von Fischer nach Berlin überwechselte und diese 1985 als Meisterschülerin verließ.

Obgleich sich Kürschner eher als gegenständlicher Maler versteht, sind die Motive seiner Werke nicht immer eindeutig auszumachen. Seine Leinwände werden vielmehr bestimmt durch einen spannungsreichen Dualismus von Abstraktion und Figuration, Form und Farbe sowie Muster und Grund. Seit den 70er Jahren gilt sein Interesse zwar vornehmlich dem Verhältnis von Form, Raum und Fläche, doch eines seiner elementarsten Bildmotive ist und bleibt die Figur. Zipsers zumeist dunkel bemalte vielgliedrige Arbeiten stehen, liegen oder hängen im Raum und scheinen dabei auf besondere Weise miteinander zu korrespondieren. Ohne wirklich zusammenzugehören, gehen die Plastiken eine geheimnisvolle Verbindung ein, die von einer lebendigen Bestimmtheit und spielerischen Sensibilität getragen wird. Gleichzeitig weist jedes Werk ein klares energetisches, in sich ruhendes Zentrum auf und zeugt von einer fantasievollen, konstruktiven Kombinatorik aus dem Wechselspiel von Stofflichkeit und Transparenz. Henning Kürschner und Pomona Zipser leisten mit ihren Arbeiten einen wichtigen Beitrag zur Malerei und Bildhauerei unserer Zeit.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Franz Bernhard (1934-2013)

Arbeiten von 1968 bis heute

18. März – 8. Juli 2007

Einführung: Dr. Uwe Rüth, Direktor
Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

Franz Bernhard, 1934 in Neuhäuser/Böhmen geboren, zählt aufgrund seiner einzigartigen Formensprache zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Nach seinem Studium der Bildhauerei bei Wilhelm Loth und Werken bei Fritz Klemm an der Kunstakademie Karlsruhe von 1959 bis 1966 erhält er 1968 den renommierten Villa-Romana-Preis und geht für neun Monate nach Florenz. Schon seine um 1968 entstandenen Werke verdeutlichen, dass die grob behauenen Holzstücke, die formal an menschliche Formen oder aber an elementare Gebrauchsgegenstände erinnern, plastisch stark abstrahiert und reduziert werden. Das Ergebnis ist eine freie Formfindung, entstanden aus dem Spannungsverhältnis von Figuration und Abstraktion. Die Verknüpfung der Materialien Holz und Eisen oder Holz und Stahl erzeugen zudem einen außergewöhnlich reizvollen Materialdualismus. Franz Bernhard betitelt seine Konstruktionen als Figuren, die menschliche Grundhaltungen thematisieren und variieren. Wenn der Bildhauer Lothar Fischer schreibt: „Mein Thema ist hauptsächlich der Mensch in seinen Grundhaltungen: Stehen - Sitzen - Liegen, aber begriffen als Kunstfigur“, so wird eine bildnerisch-gedankliche Nähe der beiden Kollegen greifbar, die nun im Museum erstmals im Dialog sichtbar wurde. Dazu wurden neben Skulpturen, Papierarbeiten und Collagen aus dem Besitz des Künstlers auch Arbeiten aus Privatsammlungen sowie zahlreiche Werke aus der Sammlung des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaften in Freiburg gezeigt. Heute lebt Franz Bernhard, dem 1998 das Bundesverdienstkreuz und 2004 die Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg verliehen wurde, in dem vorderpfälzischen Dorf Jockgrim.
Zur Ausstellung ist vom Museum Lothar Fischer ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Gruppe SPUR

Retrospektive

19. November 2006 – 4. März 2007

Einführung: Dr. Veit Loers, ehem. Direktor
Städt. Galerie Regensburg und
Museum Abteiberg, Mönchengladbach

Mit dieser Retrospektive wurde fast 50 Jahre nach Gründung der Künstlergruppe SPUR im Jahre 1957 das Wirken und die Wirkung einer der bedeutendsten deutschen Künstlergemeinschaften nach 1945 gewürdigt. Die vier SPUR-Protagonisten, der Bildhauer Lothar Fischer (1933-2004) und die Maler Heimrad Prem (1934-1978), Helmut Sturm (1932-2008) und HP Zimmer (1936-1992), ließen durch ihre kunstpolitischen provokanten Aktivitäten, durch die Verbreitung von Flugblättern und Manifesten sowie durch die Herausgabe ihrer sieben Zeitschriften Staat und Justiz in Bayern heftig reagieren. Doch trug die Gruppe gerade auch dadurch maßgeblich zur künstlerischen Aufbruchsstimmung im Deutschland der 60er Jahre bei. Die Ausstellung legte sowohl die Gruppenaktivitäten im Fokus von Kunst, Gesellschaft und Politik dar und machte sichtbar, welche Kraft und Aktualität von den Kunstwerken damals ausging und heute noch ausgeht. In ihrem 1959 erschienenen Text Über unsere Malerei schreibt die Gruppe: „Wir fassen alle wesentlichen Strömungen der Malerei in einem System zusammen. Wir sind nicht nur abstrakt, sondern auch gegenständlich. Wir besitzen eine abstrakte Methode, die uns ermöglicht, gegenständlich zu sein. Die Formen und Gegenstände, die der persönlichen Vorliebe des Einzelnen entspringen, verflechten sich mit dem abstrakten System.“
In der Auseinandersetzung mit dem Werk Kandinskys, dem Bildaufbau des Kubismus, dem Malprozess des Informel sowie der Beschäftigung mit dem Schaffen Beckmanns und der Dynamik des barocken Bildraums fanden die Künstler zu einer höchst eigenständigen, spannenden Bildsprache, die Figuratives mit Abstraktem verband. Diese Retrospektive mit über achtzig Gemälden, Skulpturen, Papierarbeiten, Manifesten und den sieben SPUR-Zeitschriften zeichnete eindrucksvoll die verschiedenen Schaffensphasen von Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und HP Zimmer von 1957 bis 1965 nach.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Klaus Hack

Lothar-Fischer-Preis 2005

23. Juli – 5. November 2006

Einführung: Dr. Ilonka Czerny, Kunstreferentin der
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Im Sommer 2005 erhielt der Bildhauer Klaus Hack, 1966 in Bayreuth geboren und heute in Seefeld/Brandenburg lebend, als erster Künstler seit Eröffnung des Museums den Lothar-Fischer-Preis. Diese von der Lothar & Christel Fischer Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Neumarkt vergebene Auszeichnung würdigt einen jüngeren Bildhauer, dessen Holzskulpturen weder als abstrakte Form noch als figurativer Körper wahrgenommen werden können. Kräftiges und Zartes verbindet sich neben dem Wechselspiel von Abstraktion und Figuration im plastischen und zeichnerischen Werk Hacks zu einer lebendigen Einheit. Durch diese Verknüpfung von Filigranem und Derbem werden die Skulpturen zu zeichenhaften, den Raum gleichsam dominierenden Wesen, die durch ihre Bearbeitung und daraus resultierende Oberflächenstruktur stets Vitalität entfalten. Hacks Skulpturen zeugen von bildnerischer Vielfalt und künstlerischer Fantasie und Intensität. In Korrelation zu seinen kraftvollen Skulpturen, die im Wechselausstellungsraum des Museums gezeigt wurden, standen einige ausgewählte und von besonderer Sensibilität zeugende Papierarbeiten im Obergeschoss. Klaus Hack hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Wilhelm Uhlig und anschließend an der Hochschule in Berlin bei Rolf Szymanski und Lothar Fischer studiert.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Inge Gutbrod

MuSEEum - Neue Arbeiten

7. Mai – 16. Juli 2006

Einführung: Hans-Peter Miksch, Leiter kunst galerie fürth

Erstmals seit Eröffnung des Museums stellte eine junge Künstlerin aus der Region in Neumarkt aus. Inge Gutbrod, 1963 in Nürnberg geboren, studierte von 1983 bis 1990 Malerei bei Werner Knaupp an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, zuletzt als Meisterschülerin. Heute lebt und arbeitet die Bildhauerin in Fürth.

In ihrer raumspezifischen Arbeit im Erdgeschoss des Museums setzte sich Gutbrod mit der Architektur des Hauses, den Maßangaben des Raums und den Ausblicken in die Natur auseinander. Am Rande des Stadtparks und am Schlossweiher gelegen, ist das Museum von einer Wasserlandschaft umgeben, die sich im Innenraum durch den Bau eines Sees auf poetische Weise wieder fand und widerspiegelte. Im Werk der Künstlerin – in ihrer haptischen Welt aus Wachs – geht es um das spannende Wechselspiel von Innen- und Außenraum, von Innenleben und Außenwelt, von Reflektion und Absorption, von Transparentem und Opakem, von konzeptuell Geplantem und sinnlich Erfassbarem sowie um das Zusammenwirken von Geheimnis und Wirklichkeit. Inge Gutbrods Schaffen stellt ein spannungsvolles Zusammenspiel von Farbe, Licht, Form, Material und Raum dar. Ihr Werk, das zwischen Malerei, Bildhauerei, Installation und Objektkunst angesiedelt ist, wird erst in seiner Komplexität und Gesamtheit als überzeugende Einheit erfahrbar. Im Obergeschoss des Museums wurden vier ebenfalls eigens für diese Präsentation konzipierte Arbeiten gemeinsam mit Objekten gezeigt, die während des Cité-Stipendiums von Inge Gutbrod in Paris gedanklich erarbeitet wurden.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Hans Purrmann

Aquarelle und ausgewählte Leinwände

20. November 2005 – 26. März 2006

Einführung: Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Gründungsdirektor
Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Hans Purrmann (1880-1966) malt, was er unmittelbar vor Augen sieht: die Landschaft, das Stillleben, das Interieur und den weiblichen Akt, was auch die ausgestellten Aquarelle und Ölgemälde aus Privatbesitz, die teilweise noch nie öffentlich präsentiert wurden, exemplarisch bezeugten. Der 1880 in Speyer geborene Künstler gehört heute zu den bedeutendsten Malern des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Nach dem Studium in Karlsruhe und später an der Akademie in München bei Franz von Stuck geht er zunächst nach Berlin, bevor er 1905 ins damalige Zentrum der modernen Kunst nach Paris übersiedelt. Er verkehrt mit Künstlern im Café du Dôme, begegnet der amerikanischen Sammlerfamilie Stein, lernt Pablo Picasso und Henri Matisse kennen. 1912 heiratet er Mathilde Vollmoeller, die damals ebenfalls an der Académie Matisse studiert. 1935 übernimmt er die ehrenamtliche Leitung der Villa Romana in Florenz. 1943 flieht er in die Schweiz und lebt fortan in Montagnola im Tessin. Die zwischen 1925 und 1963 entstandenen Aquarelle der Ausstellung dokumentieren die unterschiedlichen Arbeitstechniken des Künstlers und machen den Werkprozess von Entwurf und Ausführung exemplarisch sichtbar. Anhand ausgewählter Ölgemälde wird zudem dargelegt, dass seine Aquarelle die Werke auf Leinwand sinnfällig begleiten und inhaltlich mit diesen in direkter Verbindung stehen. Ergänzt wird die Schau durch drei, eher unbekannte Skulpturen, die um 1910 im Atelier von Matisse entstanden.
Zur Ausstellung ist vom Museum Lothar Fischer ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Michael Croissant

Köpfe 1950 - 2002

17. Juli – 6. November 2005

Einführung: Prof. Dr. Peter Anselm Riedl, Ordinarius em. für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg

Michael Croissant (1928-2002) gehört zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit, die sich mit der menschlichen Gestalt auseinandersetzen. Anhand ausgewählter Plastiken und Papierarbeiten aus den Jahren 1950 bis 2002, die den Kopf als ein zentrales Motiv Croissants zeigen, verdeutlichte die Ausstellung den konsequenten Weg des Künstlers zu seiner ihm eigenen Formensprache. Ausgehend von der Figuration über das Informel findet er zu einer geometrisch-konstruktiven Gestaltung. Aus seinen Köpfen, ob in Gips, Holz, Blei, Bronze, Eisenguss, Eisen geschweißt oder gar in Einzelfällen Beton, wird sowohl seine Verknüpfung von Konstruktion und Emotion, von Technik und Mensch als auch seine Hinwendung zu einer formalen Vereinfachung, beinahe Minimalisierung, sichtbar. Croissants Schaffen gilt als exemplarisch für die allgemeine Entwicklung der figurativen Plastik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Sohn des Malers Herrmann Croissant 1928 in Landau in der Pfalz geboren, absolvierte er 1942 zunächst eine Steinmetzlehre und studierte schließlich von 1948 bis 1953 bei Toni Stadler Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1966 wird Croissant selbst Professor an der renommierten Städelschule in Frankfurt und lehrt dort bis 1988, bevor er nach München zurückkehrt. Anhand ausgewählter Köpfe wird deutlich, wie sich zunehmend das Organische in seinem Werk verfestigt und sich dabei durch das geometrisch vereinfachte Formenvokabular wieder sukzessive in der vertrauten Gestalt konkretisiert. Diese Werkschau würdigte nicht nur sein Schaffen als Prozess der Klärung und des Fortschreitens, sondern mittels der ergänzend präsentierten Zeichnungen und Collagen auch eindringlich sein bildnerisches Denken sowie die Vielfalt seines künstlerischen Potentials.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Sati Zech

Rote und schwarze Arbeiten

17. April – 3. Juli 2005

Einführung: Prof. Hans Gercke, Direktor Heidelberger Kunstverein

Mit dieser Sonderausstellung wurde erstmals das Werk Fischers direkt mit einer jüngeren künstlerischen Position konfrontiert. Sati Zech, 1958 in Karlsruhe geboren, studierte von 1982 bis 1987 an der Hochschule der Künste in Berlin bei Fischer. Zunächst bildhauerisch tätig, verlässt die ehemalige Meisterschülerin als eine der wenigen Studierenden ihrer Klasse nach und nach die Bildhauerei. Seither entstehen plastische Papierarbeiten, wie Zech ihre Werke bezeichnet.

Bei den für diese Ausstellung ausgewählten Arbeiten aus den Jahren 2002 bis 2005 handelte es sich um die Lieblingsstücke ihres Professors. Die gezeigten Arbeiten verdeutlichen exemplarisch, wie Zech schichtweise mit unterschiedlichen Papierformaten und Materialien ihre Bildflächen aufbaut und applikationsartig zusammenfügt. Dem Arbeitsprozess geht eine klare Idee voraus; die daraus resultierende endgültige Formulierung entwickelt die Künstlerin jedoch sukzessiv beim Bauen ihrer Arbeiten. Zech kämpft auf der Malfläche mit positiven und negativen Bildräumen, in Farbe, Form und Oberflächenstruktur. Das Ergebnis sind kräftige Werke, gekennzeichnet durch Formenreichtum, entstanden aus dem Dualismus von Abstraktion und Figuration. Interessant ist dabei, dass trotz des spürbaren Spannungs-
verhältnisses Zechs Arbeiten immer erfüllt sind von einer beeindruckenden poetischen Leichtigkeit. Auch Werkreihen wie Kronen oder Bollen sind als Einheit zu begreifen: das Schwere ist ohne das Leichte eben nicht denkbar.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer

Lothar Fischer und seine Weggefährten

Sonderausstellung

14. November 2004 – 3. April 2005

Einführung: Dr. Pia Dornacher, Künstlerische Leitung Museum

Diese erste noch weitgehend von Lothar Fischer selbst konzipierte Sonderausstellung war seinen Weggefährten gewidmet. Gezeigt wurden vor allem ausgewählte Plastiken, Gemälde und Papierarbeiten der 1960er, 1970er und 1980er Jahre von über dreißig verschiedenen Künstlern, mit denen Fischer meist auch in enger freundschaftlicher Verbindung stand. Interessant ist, dass die Exponate vorrangig Werke aus der ebenso persönlichen wie qualitätsvollen Sammlung von Lothar und Christel Fischer stammten, die größtenteils in Stiftungsbesitz sind.
Den Künstler Alberto Giacometti verehrte Fischer besonders; seine Auffassung von Figur und Raum sowie Gestalt und Sockel hat ihn zeitlebens beeindruckt, so dass er den Auftakt der Themen-
ausstellung darstellte. Präsentiert wurden aber auch Plastiken von Fischers Lehrer der Münchner Akademiezeit, Heinrich Kirchner  und seinem anerkannten Vorbild Toni Stadler sowie dessen Frau, der Bildhauerin Priska von Martin. Den Abschluss der Ausstellung bildete ein Raum mit Arbeiten  zahlreicher Kollegen Fischers aus der Zeit seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste in Berlin von 1975 bis 1997. Alle gezeigten Exponate, ob in Holz, Ton, Bronze, Eisen, Gips oder Papier, verbindet ein gemeinsamer Nenner, der in einer grundsätzlichen künstlerischen Wesens-
verwandtschaft liegt.

Foto: Andreas Pauly/Museum Lothar Fischer