Die drei jährlich stattfindenden Sonderausstellungen im Museum Lothar Fischer sollen das Werk des Bildhauers in einen spannenden Dialog mit anderen, mitunter auch neueren künstlerischen Strömungen und Positionen bringen. Dabei ist zu betonen, dass die Dialogpartner keineswegs wahllos aus dem unüberschaubaren Fundus der Kunst des 20. Jahrhunderts oder der Gegenwart gegriffen werden. Zum einen gibt das Werk Lothar Fischers einen hohen Qualitätsstandard vor, zum anderen birgt sein Oeuvre aber auch die Chance für ein Profil des Museums, das sich deutlich von anderen Ausstellungshäusern abhebt. Wenngleich das Feld der Anknüpfungspunkte weit ist, so ist es doch nicht unübersichtlich.
Im Sinne der Stifter wird im Museum Lothar Fischer die reine Bildhauerei, die in vielen Museen und Ausstellungsinstitutionen im Zuge der Verbreitung der Video- und Fotokunst in den Hintergrund gedrängt wurde, immer wieder ein Forum finden. Außerdem gilt es, die bildnerische Kunst, für die sich Lothar Fischer deutlich, ehrlich und offen in seinem 2001 erschienenen Buch „Zur Kunst aus bildnerischer Sicht“ einsetzt, auszustellen. In seiner programmatischen Schrift weist er darauf hin, dass in aller europäischer und außereuropäischer Kunst ein gemeinsames Prinzip erkennbar ist: nämlich die unabdingbare Vorherrschaft der Form gegenüber dem Inhalt. Lothar Fischer bemängelte, dass es in der zeitgenössischen Kunst zahlreiche Erscheinungsformen gibt, die das Bildnerische vernachlässigen zugunsten von außerkünstlerischen Aussagen, die beispielsweise mit literarischen Inhalten zu einer Art Ideenkunst aufgeladen werden. Diesen Ansatz sieht er etwa in der Konzept-, Foto- und Videokunst, aber auch teilweise in der Aktionskunst verwirklicht. Durch diese Positionen, die sich oft sehr medienwirksam behaupten, sah er die Bildende Kunst zunehmend und zu Unrecht an den Rand gedrängt.
Das Profil des Museums soll daher maßgeblich von dieser künstlerischen Position geprägt sein. So werden Bildhauer und Maler ausgestellt, deren Motivation und Sprache spontan und selbstverständlich beim Arbeiten entsteht. Die Besucher des Museums sollen mit Werken konfrontiert werden, die direkt und emotional wahrgenommen werden können. Kunst muss wieder spürbar, erlebbar sein. Gerade Vertreter seiner Maler- und Bildhauergeneration, die vom immer hektischer werdenden Kunst- und Ausstellungsbetrieb sowie der Museums-Landschaft in Deutschland manchmal übersehen oder gar, wie Lothar Fischer betonte, geleugnet wurden, sollen in Neumarkt einen adäquaten Ausstellungsort finden. In den 60er, 70er und 80er Jahren bestand Einigkeit darüber, dass das Werk etwa seiner Weggefährten Michael Croissant, Herbert Peters, Franz Bernhard, Rudolf Wachter u. a. zum Qualitätvollsten gehört, was die deutsche Plastik im internationalen Kontext überhaupt zu bieten hatte. Auch junge, bildnerisch arbeitende Künstler, wie etwa seine ehemaligen Studenten an der Hochschule der Künste in Berlin, sollen gleichwertig mit anderen ihnen wesensverwandt agierenden Kollegen und Kolleginnen durch Ausstellungen in ihrer Haltung bestärkt und gefördert werden.
Der jüngeren Generation wollte Lothar Fischer zunehmend wieder Mut machen, sich nicht zwangsläufig mit neuen Medien beschäftigen zu müssen, um wahrgenommen zu werden und Ausstellungsmöglichkeiten zu erlangen. Dies war ihm ein Anliegen, für das er sich auch durch die Auslobung des Lothar-Fischer-Preises, der alle zwei Jahre von der Lothar & Christel Fischer Stiftung vergeben wird, einsetzte. Neben dem Preisgeld erhält der ausgewählte Bildhauer ein Jahr nach der Preisverleihung im Sommer eine Ausstellung im Museum.
Die Beliebigkeit und Effekthascherei neuerer künstlerischer Entwicklungen hat Lothar Fischer immer wieder nachdenklich gemacht und veranlasst, sich mit Vehemenz für das Bildnerische an sich in der Kunst einzusetzen. Das Museum in Neumarkt soll ein besonderer Ort sein, der unter den deutschen Ausstellungsinstitutionen eben jene Lücke schließen wird.
Die drei jährlich stattfindenden Wechselausstellungen werden sich voraussichtlich auch mit drei unterschiedlichen Künstlergenerationen beschäftigen. Es ist geplant, jeweils eine Ausstellung aus dem Bereich der Klassischen Moderne zu präsentieren, eine aus dem Zeitraum der Kunst der 60er/70er Jahre aus dem Umfeld Lothar Fischers sowie eine jüngere zeitgenössische Position, wobei diese alle zwei Jahre der Lothar-Fischer-Preisträger sein wird.
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